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Niels van Veen, Founder & CEO von DPP HeroNiels van Veen·14. Mai 20269 min

Batteriepass Zugriffsrechte: Welche Daten werden öffentlich?

Die 3 Zugriffsebenen im Batteriepass: Was öffentlich ist, was nur Behörden sehen und welche Daten geschützt bleiben – nach EU-Batterieverordnung Art. 77.

Batteriepass Zugriffsrechte: Welche Daten werden öffentlich?

„Wird mein Wettbewerber meine Zellchemie sehen können?" – eine der häufigsten Fragen, die Batteriehersteller stellen, wenn sie zum ersten Mal vom Batteriepass hören. Die Antwort lautet: Nein, nicht ohne Weiteres.

Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 macht keineswegs alle Batteriedaten öffentlich zugänglich. Stattdessen definieren Artikel 77 und 78 zusammen mit Anhang XIII ein differenziertes Zugriffsmodell mit drei klar abgegrenzten Ebenen. Jede Ebene legt fest, wer welche Daten einsehen darf – vom Endverbraucher über Marktüberwachungsbehörden bis hin zu Recyclern und Reparaturbetrieben.

Dieser Artikel erklärt die drei Zugriffsebenen im Detail, zeigt welche konkreten Datenfelder in welche Kategorie fallen und erläutert, wie Ihre Geschäftsgeheimnisse dabei geschützt bleiben.

Die 3 Zugriffsebenen im Überblick

Die EU-Batterieverordnung unterscheidet in Artikel 78 Absatz 2 drei Zugriffsebenen für den Batteriepass. Jede Ebene hat einen definierten Adressatenkreis und einen festgelegten Datensatz:

Ebene Zugang Rechtsgrundlage Datenumfang
Tier 1 – Öffentlich Jeder (QR-Code-Scan) Anhang XIII, Teil A Basisdaten, CO₂, Recyclinganteil
Tier 2 – Behörden Marktüberwachung, notifizierte Stellen, EU-Kommission Anhang XIII, Teil B Prüfberichte, Konformitätsdokumentation
Tier 3 – Eingeschränkt Recycler, Reparaturbetriebe, Second-Life-Akteure Anhang XIII, Teil C Materialzusammensetzung, SoH, Demontage

Dieses Modell stellt sicher, dass Transparenz und Geschäftsgeheimnisschutz nicht im Widerspruch stehen. Öffentlich wird nur, was für Kaufentscheidungen und Nachhaltigkeitsbewertungen relevant ist. Sensitive Daten bleiben hinter Zugangsschranken.

Tier 1: Öffentlich zugängliche Daten

Tier 1 umfasst die Daten aus Anhang XIII, Teil A der EU-Batterieverordnung. Diese Informationen sind für jeden zugänglich, der den QR-Code auf der Batterie scannt oder die URL des Batteriepasses aufruft. Man kann sich diese Ebene als das „Nährwertetikett" der Batterie vorstellen – grundlegende Transparenz für Verbraucher, Händler und die Öffentlichkeit.

Die folgenden Datenkategorien gehören zu Tier 1:

  • Herstellerinformationen: Name, Handelsname und Anschrift des Herstellers gemäß Registrierung
  • Batterieidentifikation: Batterietyp, Modellbezeichnung, Chargen- oder Seriennummer
  • Chemie: Kathoden- und Anodenchemie (z. B. NMC 811, LFP), Elektrolyttyp
  • Technische Basisdaten: Nennkapazität (Ah), Nennspannung (V), Gewicht (kg)
  • CO₂-Fußabdruck: Carbon Footprint pro kWh über den Lebenszyklus sowie die zugehörige Leistungsklasse
  • Recyclinganteil: Prozentuale Anteile von recyceltem Kobalt, Lithium, Nickel und Blei
  • Kennzeichnung: Symbole, Labels und Piktogramme gemäß Artikel 13
  • Sammlung und Recycling: Informationen zur getrennten Sammlung, Recycling-Symbole
  • Sorgfaltspflichten: Zusammenfassung der Supply-Chain-Due-Diligence-Maßnahmen
Tier 1 beantwortet die Frage: Was ist diese Batterie, wie nachhaltig ist sie, und woher kommt sie? Es geht um Basistransparenz – nicht um Betriebsgeheimnisse.

Wichtig: Die Chemie-Angabe auf Tier-1-Ebene beschreibt die Kategorie (z. B. „Lithium-Ionen, NMC"), nicht die exakte stöchiometrische Zusammensetzung. Der Unterschied zwischen „NMC 811" und den genauen Gewichtsprozenten der Aktivmaterialien ist erheblich – und genau dieser Detailgrad fällt unter Tier 3.

Tier 2: Nur für Behörden

Anhang XIII, Teil B definiert die Daten, die ausschließlich Marktüberwachungsbehörden, notifizierten Stellen und der EU-Kommission zugänglich sind. Diese Ebene dient der regulatorischen Kontrolle – nicht der Markttransparenz.

Tier-2-Daten umfassen:

  • Prüfberichte: Ergebnisse der Tests gemäß den in Artikel 15 genannten harmonisierten Normen
  • EU-Konformitätserklärung: Dokumentation der Konformitätsbewertung nach Artikel 18
  • Technische Dokumentation: Nachweise zur Einhaltung der Anforderungen aus den Artikeln 6 bis 10 (Stoffbeschränkungen, Haltbarkeit, Leistung, Sicherheit, Kennzeichnung)

Diese Informationen sind für Endverbraucher, Händler und selbst für Recycler nicht einsehbar. Sie dienen ausschließlich dazu, dass Behörden im Rahmen der Marktüberwachung prüfen können, ob eine Batterie die regulatorischen Anforderungen erfüllt.

Tier 2 ist die behördliche Prüfebene. Kein Wettbewerber, kein Kunde und kein Geschäftspartner erhält Zugang zu diesen Daten über den Batteriepass.

Tier 3: Eingeschränkter Zugang

Anhang XIII, Teil C regelt den Zugang für Personen und Unternehmen mit „berechtigtem Interesse" (legitimate interest). Dazu gehören insbesondere Recyclingunternehmen, Reparaturbetriebe, Wiederaufbereitungsbetriebe und Second-Life-Akteure.

Wer genau als „Person mit berechtigtem Interesse" gilt, wird durch einen Delegierten Rechtsakt der EU-Kommission definiert, der bis August 2026 erwartet wird. Die Verordnung nennt in Artikel 78 Absatz 2 Buchstabe d bereits die Grundkategorien.

Tier-3-Daten umfassen:

  • Detaillierte Materialzusammensetzung: Genaue Spezifikationen von Kathode, Anode und Elektrolyt – über die Kategorie-Angabe aus Tier 1 hinaus
  • Demontageinformationen: Schrittweise Anleitungen zur sicheren Zerlegung der Batterie
  • Sicherheitsprotokolle: Spezifische Sicherheitshinweise für Handhabung, Transport und Lagerung
  • State of Health (SoH): Aktueller Gesundheitszustand der Batterie, basierend auf dynamischen Batteriedaten aus dem BMS
  • Nutzungshistorie: Lade-/Entladezyklen, Kapazitätsverlauf über die Lebensdauer
  • Wartungsprotokolle: Dokumentierte Wartungen, Reparaturen und Software-Updates

Der Zugang zu Tier-3-Daten erfordert eine Verifizierung der beruflichen Rolle. Ein Recyclingunternehmen muss nachweisen, dass es tatsächlich in der Verwertung tätig ist. Ein privater Endkunde erhält keinen Tier-3-Zugang – auch nicht für seine eigene Batterie.

Für Second-Life-Anwendungen sind die Tier-3-Daten besonders relevant: Ohne SoH-Daten und Zyklenhistorie lässt sich der Restwert einer gebrauchten Traktionsbatterie nicht seriös bewerten.

Was ist NICHT im Batteriepass?

Mindestens ebenso wichtig wie die Frage, welche Daten im Batteriepass stehen, ist die Frage: Was steht dort ausdrücklich nicht?

  • Fertigungsverfahren: Wie die Batterie hergestellt wird – Prozessparameter, Beschichtungsgeschwindigkeiten, Trocknungsprofile
  • Exakte Rezepturen: Genaue Formulierungen von Elektrolytzusätzen, Bindemitteln oder Beschichtungen
  • Preise und Kalkulationen: Einkaufspreise, Margen, Herstellkosten
  • Lieferantenverträge: Vertragliche Konditionen, Bezugsquellen, Mengenvereinbarungen
  • Interne Qualitätsdaten: Ausschussraten, Prozessfähigkeitsindizes, interne Prüfprotokolle

Der Batteriepass dokumentiert was eine Batterie ist und welche Eigenschaften sie hat – nicht wie sie hergestellt wird. Geschäftsgeheimnisse im Sinne der EU-Batterieverordnung bleiben Geschäftsgeheimnisse.

IP-Schutz: Wie Ihre Geschäftsgeheimnisse geschützt bleiben

Das dreistufige Zugriffsmodell ist bewusst so gestaltet, dass es intellektuelles Eigentum schützt. Mehrere Mechanismen tragen dazu bei:

  • Rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC): Jede Zugriffsebene ist an eine verifizierte Rolle gebunden. Ohne Nachweis der Berechtigung kein Zugang.
  • Datenminimierung: Jede Ebene enthält nur die Daten, die für den jeweiligen Zweck erforderlich sind. Recycler brauchen keine Prüfberichte, Behörden brauchen keine Demontageanleitungen.
  • Kein Rohdatenexport: Eingeschränkte Ebenen sollen den Zugang zu spezifischen Informationen ermöglichen – nicht das Herunterladen vollständiger Datensätze.
  • Regulatorische Begrenzung: Nur Daten, die die Verordnung explizit fordert, müssen bereitgestellt werden. Darüber hinausgehende Informationen sind freiwillig.

Der Delegierte Rechtsakt der EU-Kommission, erwartet bis August 2026, wird die genauen Kriterien definieren, nach denen Tier-3-Zugang gewährt wird. Bis dahin bietet die Verordnung selbst den Rahmen: Artikel 78 Absatz 2 Buchstabe d nennt „natürliche oder juristische Personen mit berechtigtem Interesse" als Zugangsberechtigte – eine bewusst enge Definition.

Statische vs. dynamische Daten

Nicht alle Daten im Batteriepass verhalten sich gleich. Die DIN SPEC 99100 unterscheidet zwischen statischen und dynamischen Daten – und diese Unterscheidung hat direkte Auswirkungen auf die Zugriffsebenen.

Statische Daten

Statische Daten sind für alle Einheiten eines Batteriemodells identisch. Sie werden bei der Produktregistrierung einmalig erfasst und ändern sich nicht über die Lebensdauer:

  • Chemie und Materialzusammensetzung
  • CO₂-Fußabdruck pro kWh
  • Recyclinganteil
  • Nennkapazität, Nennspannung, Gewicht
  • Herstellerinformationen

Statische Daten fallen überwiegend unter Tier 1 (öffentlich) – sie beschreiben das Produkt, nicht die einzelne Batterie.

Dynamische Daten

Dynamische Daten sind individuell pro Batterie und verändern sich über den Lebenszyklus. Sie stammen typischerweise aus dem Batteriemanagementsystem (BMS):

  • State of Health (SoH)
  • Verbleibende Kapazität
  • Lade-/Entladezyklen
  • Kapazitätsverlauf
  • Betriebstemperaturverlauf

Dynamische Daten fallen unter Tier 3 (eingeschränkt). Sie sind für die Bewertung des Restwerts, für Second-Life-Entscheidungen und für sicheres Recycling relevant – aber nicht für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt.

Eigenschaft Statische Daten Dynamische Daten
Geltung Alle Einheiten eines Modells Individuell pro Batterie
Erfassung Einmalig bei Registrierung Laufend aus BMS
Beispiele Chemie, CO₂, Gewicht SoH, Zyklen, Kapazitätsverlauf
Zugriffsebene Überwiegend Tier 1 (öffentlich) Tier 3 (eingeschränkt)

Praktische Umsetzung mit DPP Hero

Das Zugriffsmodell der EU-Batterieverordnung stellt Softwarelösungen vor konkrete Anforderungen. DPP Hero setzt die Datenstruktur der DIN SPEC 99100 um und bildet die drei Zugriffsebenen wie folgt ab:

  • Öffentliche Produktseite (Tier 1): Jedes veröffentlichte Produkt erhält eine öffentlich zugängliche Seite mit allen Tier-1-Daten – abrufbar über QR-Code oder direkten Link.
  • Strukturierter Export (Tier 2): Für Behördenanfragen können Sie Produktdaten im strukturierten JSON-Format nach DIN SPEC 99100 exportieren – mit allen 7 Datenkategorien.
  • Eingeschränkte Daten (Tier 3): Demontageinformationen, detaillierte Materialzusammensetzungen und dynamische Daten werden in den entsprechenden Datenkategorien erfasst. Die öffentliche Produktseite zeigt nur Tier-1-Daten — eingeschränkte Felder sind klar als gesperrt gekennzeichnet.

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie einen vollständigen Batteriepass mit allen Datenkategorien erstellen. Die 7-Step-Struktur von DPP Hero folgt direkt dem Aufbau der DIN SPEC 99100 – von der Identifikation (Step 1) über Materialien, CO₂-Fußabdruck, Sorgfaltspflichten und Kreislaufwirtschaft bis hin zu Performance und Kennzeichnung.

Häufige Fragen

Können Wettbewerber meine Batteriedaten einsehen?

Wettbewerber sehen nur Tier-1-Daten – also Basisdaten wie Chemiekategorie, CO₂-Fußabdruck und Recyclinganteil. Die detaillierte Materialzusammensetzung (Tier 3) und Prüfberichte (Tier 2) sind für Wettbewerber nicht zugänglich. Fertigungsverfahren, Rezepturen und Lieferantenbeziehungen sind nicht Teil des Batteriepasses.

Welche Daten sehen Recyclingunternehmen?

Recycler gehören zur Tier-3-Zugriffsebene und erhalten Zugang zu detaillierten Materialzusammensetzungen, Demontageinformationen und Sicherheitsprotokollen. Diese Daten sind notwendig, um Batterien sicher und effizient zu verwerten. Der genaue Umfang wird durch den Delegierten Rechtsakt der EU-Kommission spezifiziert, der bis August 2026 erwartet wird.

Wie wird der Zugang zu eingeschränkten Daten kontrolliert?

Artikel 78 der EU-Batterieverordnung sieht eine Verifizierung der beruflichen Rolle vor. Nur Personen und Unternehmen mit „berechtigtem Interesse" erhalten Tier-3-Zugang. Das technische Verfahren – ob über digitale Zertifikate, verifizierte Accounts oder andere Mechanismen – wird im Delegierten Rechtsakt konkretisiert.

Sind die Zugriffsebenen bereits verbindlich?

Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 ist seit August 2023 in Kraft. Die Batteriepass-Pflicht nach Artikel 77 gilt ab dem 18. Februar 2027 für bestimmte Batterietypen. Der Delegierte Rechtsakt zu den Zugriffsberechtigungen (Tier 3) wird bis August 2026 erwartet.

Was passiert mit meinen Daten, wenn ich DPP Hero nutze?

DPP Hero ist ein Erstellungs- und Verwaltungstool für digitale Produktpässe. Sie behalten die volle Kontrolle über Ihre Produktdaten. Die öffentliche Produktseite zeigt nur Tier-1-Daten an. Welche Daten Sie darüber hinaus erfassen und wem Sie Zugang gewähren, entscheiden Sie als Wirtschaftsakteur selbst.

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