Was ist die DIN SPEC 99100?
Die DIN DKE SPEC 99100:2025-02 ist eine im Februar 2025 veröffentlichte Vornorm, die die Datenstruktur für den digitalen Batteriepass definiert. Sie bildet das technische Fundament dafür, wie Informationen über Batterien einheitlich erfasst, strukturiert und digital zugänglich gemacht werden, über den gesamten Lebenszyklus hinweg, von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zum Recycling.
Die sieben Datenkategorien lassen sich mit DIN SPEC 99100 Software als geführten Workflow erfassen, Schritt für Schritt, ohne die Spezifikation selbst zu interpretieren.
Die Spezifikation basiert auf den Anforderungen der EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542), die ab Februar 2027 einen digitalen Batteriepass für bestimmte Batterietypen vorschreibt. Die DIN SPEC 99100 konkretisiert, welche Daten in welchem Format bereitgestellt werden müssen und schafft damit eine praxisnahe Grundlage für Hersteller, Importeure und Software-Anbieter.
Im Kern definiert die DIN SPEC 99100 sieben Datenkategorien mit jeweils obligatorischen und optionalen Feldern. Diese Kategorien decken alle regulatorisch relevanten Aspekte ab: von der Identifikation und Materialzusammensetzung über den CO₂-Fußabdruck und die Lieferkettensorgfalt bis hin zu Kreislaufwirtschaft, Leistungsdaten und Kennzeichnung.
Technisch wird die DIN SPEC 99100 durch das BatteryPassDataModel v1.2.0 umgesetzt, ein Set aus sieben JSON-Schemas, die jeweils einer Datenkategorie entsprechen. Die Daten werden über einen QR-Code oder einen GS1 Digital Link zugänglich gemacht, sodass Behörden, Recycler und andere Wirtschaftsakteure standardisiert auf die Batteriepassdaten zugreifen können.
Für Unternehmen, die sich auf den digitalen Batteriepass vorbereiten, ist die DIN SPEC 99100 die maßgebliche Referenz. Sie beschreibt nicht nur welche Daten erforderlich sind, sondern auch wie diese Daten technisch strukturiert und validiert werden.
Wer hat die DIN SPEC 99100 entwickelt?
Die DIN SPEC 99100 wurde unter der Leitung des DIN (Deutsches Institut für Normung) und der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik) erarbeitet. Beide Organisationen sind die zentralen deutschen Normungsgremien und spielen eine Schlüsselrolle in der europäischen und internationalen Standardisierung.
Inhaltlich flossen die Ergebnisse des Battery Pass Konsortiums ein, eines vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) geförderten Projekts, das von Systemiq koordiniert wurde. Zu den Konsortialpartnern gehörten namhafte Unternehmen und Institutionen entlang der gesamten Batterie-Wertschöpfungskette: BMW, BASF, Umicore, acatech, Fraunhofer IPK und weitere. Diese breite Beteiligung stellte sicher, dass die Spezifikation sowohl technisch fundiert als auch praxistauglich ist. Vollständig sind es elf Konsortialpartner unter Führung der Systemiq GmbH: acatech, AUDI, BASF, BMW, Circulor, die FIWARE Foundation, Fraunhofer IPK, Systemiq, TWAICE, Umicore und VDE Renewables; assoziiert sind die Global Battery Alliance, GS1 Germany und RWE Generation. Das Projekt startete im April 2022 mit dreijähriger Laufzeit.
Die DIN SPEC 99100 ist zudem eingebettet in die breitere europäische Normungsarbeit von CEN/CLC/JTC 24, dem Gemeinsamen Technischen Komitee, das an übergreifenden europäischen Standards für digitale Produktpässe arbeitet. Die DIN SPEC dient hier als Vorarbeit und Referenz für die kommenden EN-Normen (Europäische Normen), die im Rahmen der ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) entwickelt werden.
Die Veröffentlichung als DIN DKE SPEC 99100:2025-02 im Februar 2025 markiert einen wichtigen Meilenstein: Erstmals liegt ein vollständiges, technisch implementierbares Datenmodell für den Batteriepass vor, das von Industrie, Wissenschaft und Normungsgremien gemeinsam getragen wird.
Die 7 Datenkategorien im Detail
Das Herzstück der DIN SPEC 99100 sind sieben klar abgegrenzte Datenkategorien, die den Abschnitten 6.1 bis 6.7 der Spezifikation entsprechen. Jede Kategorie adressiert einen bestimmten Aspekt des Batterielebenszyklus und enthält sowohl Pflichtfelder als auch optionale Felder.
- Identifikation und Produktdaten (6.1): Eindeutige Kennzeichnung, Herstellerangaben, Batterietyp
- Kennzeichnung und Konformität (6.2): CE-Kennzeichnung, EU-Konformitätserklärung, Prüfberichte
- CO₂-Fußabdruck (6.3): Lebenszyklus-Emissionen, Performance-Klassen
- Supply Chain Due Diligence (6.4): Sorgfaltspflichten, OECD-Leitlinien, Audits
- Materialien und Zusammensetzung (6.5): Rohstoffe, Gefahrstoffe, Herkunftsangaben
- Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz (6.6): Recycled Content, Recyclingfähigkeit, Demontage
- Performance und Haltbarkeit (6.7): Kapazität, Energiedichte, Ladezyklen, Lebensdauer
1. Identifikation und Produktdaten (Abschnitt 6.1)
Diese Kategorie bildet die Grundlage des Batteriepasses. Sie umfasst alle Daten, die eine Batterie eindeutig identifizierbar machen: den GS1 Digital Link als primären Identifikator, Angaben zum Hersteller (Name, Adresse, Kontaktdaten), den Batterietyp (EV, Industriebatterie, LMT), das Modell, das Produktionsdatum sowie den Standort der Fertigungsstätte. Diese Daten ermöglichen die vollständige Rückverfolgbarkeit jeder einzelnen Batterie über ihren gesamten Lebenszyklus.
2. Kennzeichnung und Konformität (Abschnitt 6.2)
Hier werden alle Informationen zur regulatorischen Konformität erfasst: die CE-Kennzeichnung, die EU-Konformitätserklärung (als Dokument des Herstellers), Prüfberichte und relevante Symbole. Diese Kategorie dokumentiert, dass die Batterie alle geltenden Anforderungen erfüllt und die entsprechenden Nachweise vorliegen. Die EU-Konformitätserklärung ist dabei ein vom Hersteller ausgestelltes Dokument, ihre Erstellung und Richtigkeit liegt in der Verantwortung des Wirtschaftsakteurs.
3. CO₂-Fußabdruck (Abschnitt 6.3)
Der CO₂-Fußabdruck erfasst die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus der Batterie, von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung und Zellfertigung bis zum Transport. Die Angabe erfolgt in kg CO₂-Äquivalent pro kWh Nennenergie. Zusätzlich werden Informationen zur Berechnungsmethodik und zum verwendeten Standard dokumentiert. Für EV-Batterien sind CO₂-Leistungsklassen vorgesehen, die Batterien nach ihrem Fußabdruck vergleichbar machen sollen. Nach Artikel 7 Absatz 2 der EU-Batterieverordnung gelten sie ab dem 18. August 2026 oder 18 Monate nach Inkrafttreten des zugehörigen delegierten Rechtsakts, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist. Dieser Rechtsakt ist bis heute nicht erlassen (Stand 21. August 2026), die Leistungsklassen gelten deshalb noch nicht. Damit gibt es bis heute weder verbindliche Leistungsklassen noch eine ausgelöste Pflicht zur Erklärung des CO₂-Fußabdrucks: nach Artikel 7 Absatz 1 der EU-Batterieverordnung gilt die Erklärung erst zwölf beziehungsweise 18 Monate nach Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts zur Methodik, je nachdem, welcher Zeitpunkt der spätere ist.
4. Lieferkettensorgfalt (Abschnitt 6.4)
Die Lieferkettensorgfalt ist ein zentraler Bestandteil des Batteriepasses. Diese Kategorie fordert den Nachweis, dass der Hersteller Sorgfaltspflichten gemäß den OECD-Leitsätzen für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten einhält. Dazu gehören Angaben zur Rohstoffbeschaffung, zu Lieferkettenrisiken, zu durchgeführten Audits und zu ergriffenen Maßnahmen. Besonders relevant ist dies für kritische Rohstoffe wie Kobalt, Lithium und Nickel, deren Abbau mit Menschenrechts- und Umweltrisiken verbunden sein kann.
5. Materialien und Zusammensetzung (Abschnitt 6.5)
Diese Kategorie verlangt eine detaillierte Aufschlüsselung der Batteriematerialien: Kathodenmaterial (z. B. NMC, LFP, NCA), Anodenmaterial (z. B. Graphit, Silizium), Elektrolyt, Separator und Gehäusematerialien. Für kritische Rohstoffe, darunter Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan, werden spezifische Mengenangaben und Herkunftsinformationen gefordert. Darüber hinaus müssen Gefahrstoffe gemäß der REACH-Verordnung deklariert werden. Diese Daten sind essenziell für die Bewertung der Umweltauswirkungen und für das spätere Recycling.
6. Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz (Abschnitt 6.6)
Im Zeichen der Kreislaufwirtschaft fordert diese Kategorie Angaben zum Recycled Content (Anteil recycelter Materialien), zur Recyclingfähigkeit der Batterie, zu Demontageanweisungen und zur geplanten Zweitnutzung (Second Life). Recyclingunternehmen erhalten damit die nötigen Informationen, um Batterien effizient zu demontieren und wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen. Ab 2031 gelten verbindliche Mindestquoten für den Recycled Content bestimmter Rohstoffe.
7. Performance und Haltbarkeit (Abschnitt 6.7)
Die letzte Kategorie umfasst die Leistungs- und Haltbarkeitskennzahlen der Batterie: Nennkapazität (in Ah und kWh), Energiedichte, Leistungsdichte, erwartete Ladezyklen, Innenwiderstand, Temperaturbereich und erwartete Lebensdauer (in Zyklen und Jahren). Diese Daten ermöglichen einen objektiven Vergleich zwischen verschiedenen Batterieprodukten und sind für Käufer, Betreiber und Wiederverkäufer gleichermaßen relevant. Neben diesen statischen Nennwerten fordert die DIN SPEC 99100 in Abschnitt 6.7 auch dynamische Zustandsdaten aus dem BMS, etwa Ladezustand, Kapazitätsverlust und Temperatur-Extremwerte.
Die sieben Datenkategorien der DIN SPEC 99100 (Identifikation, Kennzeichnung, CO₂-Fußabdruck, Due Diligence, Materialien, Kreislaufwirtschaft und Performance) bilden zusammen ein vollständiges Bild der ökologischen, sozialen und technischen Eigenschaften einer Batterie. Jede Kategorie wird durch ein eigenes JSON-Schema definiert.
Pflichtfelder vs. optionale Felder
Nicht alle Felder der DIN SPEC 99100 sind für jeden Batterietyp verpflichtend. Die Spezifikation unterscheidet zwischen obligatorischen und optionalen Feldern, wobei die Pflichtfelder je nach Batterietyp variieren. Grundsätzlich gilt: Je größer und komplexer die Batterie, desto umfangreicher die Pflichtangaben.
EV-Batterien (Traktionsbatterien)
Für Elektrofahrzeug-Batterien gelten die umfangreichsten Anforderungen. Nahezu alle Felder in den sieben Kategorien sind Pflicht, einschließlich detaillierter Angaben zu Materialzusammensetzung, CO₂-Fußabdruck mit Berechnungsmethodik, vollständiger Supply-Chain-Due-Diligence-Dokumentation und umfassender Performance-Kennzahlen wie Nennkapazität, Energiedichte, Ladezyklen und Innenwiderstand.
Industriebatterien (> 2 kWh)
Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh unterliegen ebenfalls weitreichenden Pflichtangaben, jedoch mit leicht reduzierten Anforderungen in einigen Performance-Feldern. Die Kernbereiche Identifikation, Materialien, CO₂-Fußabdruck und Due Diligence sind vollumfänglich Pflicht. Optionale Felder finden sich vor allem bei spezifischen Haltbarkeits- und Zyklusdaten, die für stationäre Anwendungen weniger relevant sein können.
LMT-Batterien (Light Means of Transport)
Für LMT-Batterien, also Batterien für E-Bikes, E-Scooter und ähnliche leichte Elektrofahrzeuge, gelten die geringsten Pflichtanforderungen. Identifikation und grundlegende Materialdaten sind Pflicht, aber bei Performance-Daten und detaillierten Kreislaufwirtschaftsangaben sind viele Felder optional. Dies trägt dem geringeren Gefährdungspotenzial und der einfacheren Struktur dieser Batterien Rechnung.
Beispiele für Pflicht- vs. optionale Felder
Konkret bedeutet das: Das Feld „Hersteller-Identifikation“ ist für alle Batterietypen Pflicht. Der CO₂-Fußabdruck pro kWh ist für EV- und Industriebatterien obligatorisch, für LMT-Batterien zunächst optional. Demontageanweisungen sind für EV-Batterien Pflicht, für kleinere Batterietypen optional. Die detaillierte Kathodenzusammensetzung (z. B. prozentualer Anteil von Kobalt) ist für alle Batterietypen mit entsprechender Zellchemie verpflichtend.
DIN SPEC 99100 und die EU-Batterieverordnung
Ein zentraler Punkt, den Hersteller verstehen müssen: Die DIN SPEC 99100 ist eine Vornorm, sie ist nicht direkt rechtsverbindlich. Die rechtsverbindlichen Anforderungen an den digitalen Batteriepass werden durch die EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542) und die dazugehörigen Delegated Acts (delegierte Rechtsakte) unter Art. 77 und Art. 78 definiert.
Die DIN SPEC 99100 dient dabei als technische Vorbereitung für diese Delegated Acts. Da die Spezifikation unter Beteiligung derselben Experten und Institutionen erarbeitet wurde, die auch an den EU-Delegated-Acts mitarbeiten, wird allgemein erwartet, dass die finale Fassung der Delegated Acts sehr nah an der DIN SPEC 99100 liegen wird. Größere inhaltliche Abweichungen gelten als unwahrscheinlich.
Der Zeitplan der EU-Batterieverordnung sieht die zugehörigen Rechtsakte vor, ohne festes Datum. Nach der Auskunft des DPP Help Desk der EU-Kommission vom 4. August 2026 sind der Semantik-Katalog und die Registry-Schnittstellen für das vierte Quartal 2026 geplant; der Durchführungsrechtsakt nach Artikel 77 Absatz 9 hätte bis zum 18. August 2026 kommen sollen und ist bis heute nicht erlassen. Der Stichtag für den verpflichtenden Batteriepass ist der 18. Februar 2027. Bis dahin müssen Hersteller von EV-Batterien, Industriebatterien über 2 kWh und LMT-Batterien in der Lage sein, einen vollständigen digitalen Batteriepass bereitzustellen.
Für die Praxis bedeutet das: Wer sich heute auf Basis der DIN SPEC 99100 vorbereitet, baut auf dem besten verfügbaren Standard auf. Die Investition in die Datenerfassung und -strukturierung nach DIN SPEC 99100 ist keine Spekulation, sondern eine fundierte Vorbereitung auf die kommenden regulatorischen Anforderungen. Unternehmen, die die Datenstruktur der DIN SPEC 99100 implementieren, müssen bei Veröffentlichung der Delegated Acts voraussichtlich nur minimale Anpassungen vornehmen.
Mehr zum Thema erfahren Sie in unseren Artikeln über die EU-Batterieverordnung und den 2027-Zeitplan und darüber, was ein Batteriepass genau ist.
Technische Umsetzung: JSON-Schema und API
Die DIN SPEC 99100 definiert nicht nur inhaltlich, welche Daten erfasst werden müssen, sondern auch technisch, wie diese Daten strukturiert werden. Die Referenzimplementierung erfolgt über das BatteryPassDataModel v1.2.0, ein Set aus sieben JSON-Schemas, die den sieben Datenkategorien entsprechen.
Jedes JSON-Schema definiert die erlaubten Felder, Datentypen, Pflicht-/Optional-Markierungen und Validierungsregeln. Ein Batteriepass-Datensatz, der gegen diese Schemas validiert werden kann, erfüllt die strukturellen Anforderungen der DIN SPEC 99100. Die Schemas verwenden etablierte Webstandards wie JSON Schema Draft 2020-12 und sind über öffentliche Repositories zugänglich.
Für den Datenzugriff sieht die Spezifikation vor, dass Batteriepassdaten über einen QR-Code oder einen GS1 Digital Link abrufbar sind. Der GS1 Digital Link fungiert als eindeutige URL, die direkt auf den Datensatz der jeweiligen Batterie verweist. Behörden, Recycler und andere autorisierte Parteien können so über einen einfachen Scan auf die Daten zugreifen.
Für Unternehmen mit großen Produktportfolios bietet sich die Integration über eine REST API an. Bestehende Systeme (ERP, PLM, MES) können Batteriepassdaten programmatisch erstellen und aktualisieren, entweder per Einzelprodukt-API oder per Bulk-Import. Dies ermöglicht eine effiziente Verwaltung auch bei Hunderten oder Tausenden von Batterieprodukten.
Spezialisierte Software-Tools wie DPP Hero bieten die DIN SPEC 99100-Datenstruktur bereits vorgefertigt an. Die Dateneingabe erfolgt schrittweise über eine strukturierte Benutzeroberfläche, Export in JSON, PDF und QR-Code-Generierung sind integriert. Wer den Prozess von der Excel-Tabelle zum strukturierten Batteriepass vollziehen möchte, findet in spezialisierten Tools den effizientesten Weg.
Abgrenzung zu anderen Standards
Die DIN SPEC 99100 steht neben mehreren anderen Standards und Initiativen. Damit klar wird, was sie regelt und was nicht, folgt hier die Abgrenzung:
ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation)
Die ESPR ist der übergreifende europäische Rechtsrahmen für digitale Produktpässe, nicht nur für Batterien, sondern für eine Vielzahl von Produktkategorien (Textilien, Elektronik, Baumaterialien etc.). Die EU-Batterieverordnung und der Batteriepass sind der erste konkrete Anwendungsfall der DPP-Idee. Die DIN SPEC 99100 ist die technische Spezifikation speziell für den Batterie-Sektor innerhalb dieses breiteren Rahmens.
Battery Pass Content Guidance (2023)
Die Battery Pass Content Guidance wurde 2023 vom Battery Pass Konsortium veröffentlicht und diente als Vorentwurf für die DIN SPEC 99100. Sie enthielt erste Empfehlungen zur Datenstruktur und zu Pflichtfeldern. Mit der Veröffentlichung der DIN DKE SPEC 99100:2025-02 ist die Content Guidance faktisch überholt (superseded). Unternehmen sollten die DIN SPEC 99100 als technische Referenz verwenden und daneben die nicht verbindliche Guidance der EU-Kommission vom 28. Juli 2026 heranziehen, die für CO₂-Deklaration, CO₂-Label und Responsible Sourcing festhält, dass diese Felder bis Februar 2027 nicht auszufüllen und nicht anzuzeigen sind.
CEN/CLC/JTC 24
Das Joint Technical Committee 24 von CEN und CENELEC arbeitet an breiteren europäischen Standards für digitale Produktpässe, über den Batterie-Sektor hinaus. Die Arbeit von JTC 24 wird voraussichtlich in EN-Normen (Europäische Normen) münden, die als harmonisierte Standards unter der ESPR fungieren. Die DIN SPEC 99100 liefert hierfür wichtige Vorarbeit, insbesondere im Bereich der Datenmodellierung und Schema-Definition.
GBA Battery Passport (Global Battery Alliance)
Die Global Battery Alliance (GBA) ist eine internationale Multi-Stakeholder-Initiative, die einen eigenen Battery Passport-Ansatz verfolgt. Der GBA-Ansatz unterscheidet sich in Scope und Detailtiefe von der DIN SPEC 99100: Er konzentriert sich stärker auf ESG-Metriken (Environmental, Social, Governance) und ist nicht direkt an die EU-Regulierung gebunden. Für Unternehmen, die den EU-Markt bedienen, ist die DIN SPEC 99100 die maßgebliche Referenz.
Wo Sie die Spezifikation und die Begleitdokumente bekommen
Ein Punkt, der viele überrascht: Die Spezifikation kostet nichts. DIN Media führt die DIN DKE SPEC 99100:2025-02 unter dem Titel „Requirements for data attributes of the battery passport“ mit dem Preis „Free of charge“; der Text ist auf Englisch. Sie brauchen also weder ein Normen-Abonnement noch eine Freigabe im Einkauf, um mit der Arbeit anzufangen.
Daneben steht die Vorarbeit des Battery-Pass-Konsortiums, auf der die Spezifikation aufbaut, ebenfalls frei zur Verfügung. Nützlich sind vor allem diese Dokumente:
- Battery Passport Content Guidance (Dezember 2023), die erste ausführliche Erklärung der Inhaltsanforderungen, dazu eine Executive Summary für den schnellen Überblick.
- Data Attribute Longlist als Excel-Datei mit allen erforderlichen und empfohlenen Datenattributen samt Definitionen. Für die Feldarbeit ist das oft praktischer als ein PDF.
- Carbon Footprint Rules (2023) zu den Abrechnungsregeln für Distribution und End of Life sowie die EOL Allocation Analysis, die drei Zuordnungsansätze am Lebensende vergleicht.
- Data Conformity Assessment (2024) zur Frage, wie sich die Vertrauenswürdigkeit der Daten prüfen lässt.
- Technical Guidance (2024) für die technische Umsetzung, ebenfalls mit Executive Summary.
Für die Praxis heißt das: Erst die Longlist als Arbeitsgrundlage nehmen, dann die Spezifikation für die verbindliche Struktur, und die Guidance nur dort lesen, wo eine Frage offen bleibt.
Häufige Fragen zur DIN SPEC 99100
Ist die DIN SPEC 99100 bereits verbindlich?
Nein. Die DIN SPEC 99100 ist eine Vornorm (Pre-Standard). Sie wird erst rechtsverbindlich, wenn die EU-Kommission die entsprechenden Delegated Acts unter Art. 77/78 der EU-Batterieverordnung veröffentlicht. Verbindlich ist der Datenumfang schon heute, und zwar über Anhang XIII der Verordnung. Was die Rechtsakte nachliefern, ist das technische Format: der Semantik-Katalog und die Zugangsregeln nach Artikel 77 Absatz 9. Die DIN SPEC 99100 dient als technische Grundlage und wird voraussichtlich sehr weitgehend übernommen.
Kann sich die DIN SPEC 99100 noch ändern?
Grundsätzlich ja. Bei der Veröffentlichung der Delegated Acts sind kleinere Anpassungen möglich, etwa bei der Benennung einzelner Felder, bei Validierungsregeln oder bei der Zuordnung von Pflicht- und optionalen Feldern für bestimmte Batterietypen. Grundlegende strukturelle Änderungen an den sieben Datenkategorien oder am JSON-Schema-Ansatz gelten jedoch als sehr unwahrscheinlich, da die Spezifikation in enger Abstimmung mit den EU-Institutionen erarbeitet wurde.
Brauche ich spezielle Software für den Batteriepass?
Spezielle Software ist nicht zwingend vorgeschrieben, aber in der Praxis dringend empfehlenswert. Die Datenstruktur der DIN SPEC 99100 verteilt sich auf sieben Kategorien mit Pflicht- und optionalen Feldern, dazu kommen Abhängigkeiten zwischen den Feldern und Validierungsregeln. Ein manueller Ansatz (z. B. über Excel-Tabellen) wird schnell fehleranfällig und ist nicht skalierbar. Software-Tools wie DPP Hero vereinfachen den Prozess erheblich, von der geführten Dateneingabe in sieben Schritten über die automatische Validierung bis zum Export als JSON, PDF und QR-Code.
Wo finde ich die vollständige Spezifikation?
Die DIN DKE SPEC 99100:2025-02 ist die offizielle deutsche Spezifikation für den Batteriepass; die zugehörigen JSON-Schemas (BatteryPassDataModel v1.2.0) sind öffentlich zugänglich. In der Praxis müssen Sie die Spezifikation jedoch nicht selbst lesen: Spezialisierte Software wie DPP Hero hat die gesamte Datenstruktur (alle sieben Kategorien mit sämtlichen Pflicht- und optionalen Feldern) bereits integriert und führt Sie schrittweise durch die Dateneingabe.
Was passiert, wenn die Delegated Acts von der DIN SPEC abweichen?
Sollten die Delegated Acts in einzelnen Punkten von der DIN SPEC 99100 abweichen, müssen Hersteller ihre Daten entsprechend anpassen. Da die Grundstruktur (sieben Kategorien, JSON-Schema-basiert) mit hoher Wahrscheinlichkeit beibehalten wird, wären solche Anpassungen voraussichtlich überschaubar. Unternehmen, die heute nach DIN SPEC 99100 arbeiten, haben in jedem Fall einen erheblichen Vorsprung gegenüber denen, die erst nach Veröffentlichung der Delegated Acts mit der Vorbereitung beginnen.
