TechnischNiels van Veen, Founder und CEO von DPP HeroNiels van Veen27. März 20269 min

Dynamische Batteriedaten: Was im Batteriepass fehlt

Ohne dynamische Zustandsdaten ist ein Batteriepass unvollständig. Welche BMS-Daten die EU-Batterieverordnung ab 2027 fordert und wie Sie sie erfassen.

Dynamische Batteriedaten: Was im Batteriepass fehlt

Warum der Batteriepass ohne dynamische Daten unvollständig ist

Die meisten Diskussionen um den digitalen Batteriepass drehen sich um statische Herstellerangaben: Nennkapazität, Spannung, Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck. Diese Daten stehen fest, sobald die Batterie das Werk verlässt. Doch eine Batterie ist kein statisches Produkt: Sie altert, verliert Kapazität und verändert ihr Leistungsprofil mit jedem Ladezyklus.

Gerade für stationäre Speicher sind dynamische Daten zentral, mehr dazu auf der Seite Batteriepass für Energiespeicher.

Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 und die DIN SPEC 99100 erkennen das an: Der Batteriepass muss nicht nur Herstellerdaten enthalten, sondern auch dynamische Zustandsdaten, die sich über die Lebensdauer der Batterie verändern. Ladezustand, Kapazitätsverlust, Zyklenanzahl, Temperatur-Extremwerte: Diese Werte kommen typischerweise aus dem Battery Management System (BMS) und müssen im Pass dokumentiert werden.

In der Praxis ignorieren viele Batteriepass-Tools diesen Teil. Sie decken die sieben Datenkategorien der DIN SPEC 99100 ab, behandeln Abschnitt 6.7 aber nur zur Hälfte: Die statischen Nennwerte sind vorhanden, die dynamischen Zustandsdaten fehlen. Das Ergebnis ist ein Batteriepass, der bei der Marktaufsicht oder einem Second-Life-Audit sofort als unvollständig auffällt.

Was die EU-Batterieverordnung zu dynamischen Daten fordert

Artikel 77 Absatz 4 der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 verpflichtet den Wirtschaftsakteur, der die Batterie in Verkehr bringt, sicherzustellen, dass die Informationen im Batteriepass korrekt, vollständig und auf dem aktuellen Stand sind.

Es reicht nicht, einmalig die Herstellerdaten einzutragen und den Pass dann als erledigt zu betrachten.

Die DIN SPEC 99100 konkretisiert diese Anforderung in Abschnitt 6.7. Dort wird zwischen zwei Datenbereichen unterschieden:

  • Statische Leistungsdaten: Nennwerte des Herstellers: Energie, Spannung, Leistung, Lebensdauer, Temperaturbereich. Diese werden einmalig erfasst.
  • Dynamische Zustandsdaten: Aktuelle Messwerte aus dem Betrieb: SoC, Kapazitätsverlust, Zyklen, Effizienz, Temperatur-Extremwerte, Innenwiderstand. Diese ändern sich kontinuierlich.

Die eigentliche Rechtsgrundlage für die Zustandswerte steht allerdings nicht in Artikel 77, sondern in Artikel 14. Absatz 1 verlangt seit dem 18. August 2024, dass das Batteriemanagementsystem „aktuelle Daten zu den Parametern zur Bestimmung des Alterungszustands und der voraussichtlichen Lebensdauer der Batterie gemäß Anhang VII“ enthält. Anhang VII zählt diese Parameter einzeln auf: für Elektrofahrzeugbatterien den zertifizierten Zustand SOCE, für stationäre Speicher und LMT-Batterien die verbleibende Kapazität, gegebenenfalls die verbleibende Leistungskapazität und den verbleibenden Round-Trip-Wirkungsgrad, die Entwicklung der Selbstentladung und gegebenenfalls den ohmschen Widerstand; Teil B ergänzt Erzeugungsdatum, Energie- und Kapazitätsdurchsatz, die Nachverfolgung schädlicher Ereignisse und die Zahl der vollständig durchlaufenen äquivalenten Zyklen. In den Pass gelangen diese Werte über Anhang XIII Nummer 4, und dort sind sie ausdrücklich nur Personen mit einem berechtigten Interesse zugänglich, nicht der Öffentlichkeit.

Wichtig ist der Geltungsbereich: Artikel 14 Absatz 1 nennt ausdrücklich nur stationäre Batterie-Energiespeichersysteme, LV-Batterien (also LMT) und Elektrofahrzeugbatterien. Industriebatterien, die sicher ohne verbundenes Batteriemanagementsystem arbeiten, etwa Blei- oder Nickel-Cadmium-Batterien in USV-Anlagen, in der Telekom-Notstromversorgung oder in Staplern, sind dort nicht erfasst. Das Battery-Pass-Datenmodell führt dafür eine eigene Kategorie, „industrial battery without BMS“. Wer solche Batterien in Verkehr bringt, braucht den Pass, aber keine laufenden Zustandsdaten aus einem Batteriemanagementsystem, das es nicht gibt.

Beide Datenbereiche gehören ab dem 18. Februar 2027 in den Pass, soweit sie für den jeweiligen Batterietyp gelten; die Termine dazu stehen im Zeitplan der EU-Batterieverordnung. Für EV-, LMT- und stationäre Batterien heißt das: Ein Batteriepass ohne dynamische Zustandsdaten erfüllt die Anforderungen der Verordnung nicht vollständig.

Die sieben Datenbereiche der dynamischen Zustandsdaten

Die DIN SPEC 99100 definiert die dynamischen Zustandsdaten in sieben Kategorien. Jede Kategorie erfordert einen Messzeitpunkt (lastUpdate), der dokumentiert, wann die Werte zuletzt aktualisiert wurden.

1. Ladezustand & Kapazität

Der Kernbereich jeder Batteriebewertung. Vier Pflichtfelder:

  • State of Charge (SoC): Aktueller Ladezustand in Prozent
  • Restkapazität: Verbleibende Kapazität in Ah
  • Capacity Fade: Kapazitätsverlust gegenüber dem Neuzustand in Prozent
  • Vollzyklen: Anzahl der durchlaufenen Volllade-/Entladezyklen

Diese vier Werte zusammen ergeben den State of Health (SoH) der Batterie, den wichtigsten Indikator für Restwert und Second-Life-Eignung.

2. Energie & Durchsatz

Fünf Felder zur Energiebilanz:

  • Restenergie (kWh)
  • Zertifizierter Energiezustand: Anteil der verbleibenden nutzbaren Energie in Prozent
  • Energiedurchsatz: Kumulierte ein- und ausgespeiste Energie (kWh)
  • Kapazitätsdurchsatz: Kumulierte Ladungsmenge (Ah)
  • Power Fade: Leistungsverlust in Prozent

3. Verbleibende Leistungsfähigkeit

Die DIN SPEC 99100 fordert die Restleistung bei zwei definierten Ladezuständen:

  • Leistungsfähigkeit bei 80 % SoC (in Watt)
  • Leistungsfähigkeit bei 20 % SoC (in Watt)

Der Wert bei 80 % SoC muss logisch größer oder gleich dem Wert bei 20 % SoC sein.

4. Effizienz & Selbstentladung

  • Round-Trip-Effizienz bei 50 % Zykluslebensdauer
  • Verbleibende Round-Trip-Effizienz
  • Effizienzverlust (Fade)
  • Aktuelle Selbstentladungsrate (%/Monat)
  • Entwicklung der Selbstentladung

5. Temperatur-Extremwerte

Betriebsstunden außerhalb der zulässigen Temperaturgrenzen:

  • Stunden über der Obergrenze (Ruhezustand)
  • Stunden unter der Untergrenze (Ruhezustand)
  • Stunden über der Obergrenze (beim Laden)
  • Stunden unter der Untergrenze (beim Laden)

Dabei gilt: Die Ladestunden können nicht höher sein als die Gesamtstunden, eine Validierung, die bei der Dateneingabe automatisch geprüft werden sollte.

6. Innenwiderstand

Die Zunahme des Innenwiderstands ist ein zentraler Alterungsindikator. Die DIN SPEC 99100 ermöglicht die Erfassung auf drei Ebenen:

  • Pack: Gesamtbatteriepack
  • Modul: Einzelnes Batteriemodul
  • Zelle: Einzelne Batteriezelle

Mehrere Einträge mit unterschiedlichen Komponenten sind möglich.

7. Negative Ereignisse

Sicherheitsrelevante Vorkommnisse wie Tiefentladung, Überhitzung oder mechanische Beschädigung. Jedes Ereignis wird als Freitext mit Zeitstempel dokumentiert.

Statische vs. dynamische Daten im Vergleich

Um den Unterschied greifbar zu machen:

EigenschaftStatischDynamisch
ErfassungszeitpunktEinmalig bei HerstellungLaufend über Lebensdauer
DatenquelleHersteller / DatenblattBMS / Diagnosebericht
BeispielfelderNennkapazität, Nennspannung, NennleistungSoC, Capacity Fade, Zyklen, Temperatur
ÄnderungshäufigkeitNie (außer bei Korrektur)Bei jedem Update / Messzyklus

Ein vollständiger Batteriepass braucht beide Hälften. Wer nur die statischen Nennwerte erfasst, hat die Herstellerdokumentation erledigt, aber nicht den Batteriepass. Wie Sie die statischen Leistungsdaten strukturiert eingeben, beschreibt unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Batteriepass-Erstellung.

BMS-Anbindung per REST API

Die manuelle Eingabe von Zustandsdaten über ein Dashboard ist für einzelne Batterien oder Diagnoseberichte praktikabel. Bei Flotten mit Hunderten oder Tausenden Batterien brauchen Sie eine programmatische Schnittstelle.

DPP Hero bietet dafür einen dedizierten API-Endpunkt:

PATCH /api/v1/products/{id}/condition

Drei Eigenschaften machen diesen Endpunkt praxistauglich:

  • Partielle Updates: Sie senden nur die Felder, die sich geändert haben. Bestehende Werte bleiben erhalten. Das BMS muss nicht den gesamten Zustandsdatensatz bei jedem Update übertragen.
  • Schema-Validierung: Jeder API-Call wird gegen ein striktes Schema validiert: Wertebereiche, Datentypen und logische Regeln (z. B. Ladetemperaturstunden ≤ Gesamtstunden) werden automatisch geprüft.
  • Zeitstempel pro Messung: Jedes Feld trägt einen eigenen lastUpdate-Zeitstempel. So ist nachvollziehbar, wann welcher Wert zuletzt gemessen wurde, auch wenn verschiedene Sensoren zu unterschiedlichen Zeitpunkten Daten liefern.

Zusätzlich unterstützt DPP Hero die Datenerfassung über Share-Links: Externe Partner, etwa Wartungsbetriebe oder Second-Life-Prüfer, können Zustandsdaten direkt über ein geführtes Formular eintragen, ohne einen eigenen Account zu benötigen. Welche Daten diese externen Akteure im Rahmen des dreistufigen Zugriffsmodells einsehen dürfen, erläutert unser Beitrag zu den Zugriffsrechten im Batteriepass.

Worauf Sie bei der Tool-Auswahl achten sollten

Wenn Sie ein Batteriepass-Tool evaluieren, prüfen Sie gezielt den Umgang mit dynamischen Daten:

  • Werden dynamische Zustandsdaten überhaupt unterstützt? Viele Tools decken nur die statischen Abschnitte der DIN SPEC 99100 ab.
  • Gibt es eine API für BMS-Integration? Manuelle Eingabe skaliert nicht. Eine REST API mit partiellen Updates ist Voraussetzung für automatisierte Datenflüsse.
  • Werden Zeitstempel pro Messung erfasst? Ein einzelner Zeitstempel für alle Felder reicht nicht. Die DIN SPEC 99100 fordert lastUpdate pro Datenpunkt.
  • Ist die Validierung normkonform? Wertebereiche (z. B. SoC 0 bis 100 %), logische Abhängigkeiten (Ladestunden ≤ Gesamtstunden) und Pflichtfelder sollten automatisch geprüft werden.
  • Können externe Partner Daten beisteuern? Nicht alle Zustandsdaten kommen vom Hersteller. Wartungsbetriebe, Recycler und Second-Life-Prüfer brauchen einen Weg, Messwerte beizutragen.

DPP Hero deckt alle diese Anforderungen ab: Dashboard-Eingabe mit sieben strukturierten Sektionen, REST API mit partiellen Updates und Schema-Validierung, und Share-Links für externe Datenlieferanten. Die Datenstruktur folgt der DIN SPEC 99100, Abschnitt 6.7. Wie ein vollständiger Batteriepass mit statischen und dynamischen Daten in der Praxis aussieht, zeigt unser Demo-Batteriepass.

Wann muss aktualisiert werden?

Die Verordnung nennt keinen Turnus in Tagen oder Monaten. Sie bindet die Aktualisierung an ein Ereignis. Anhang XIII verlangt die Werte für Leistung und Haltbarkeit nach Artikel 10 Absatz 1 dann, wenn die Batterie in Verkehr gebracht wird, und dann, wenn sich ihr Status ändert. Das ist die eigentliche Regel: nicht monatlich, sondern bei jedem Statuswechsel.

Praktisch heißt das, dass Sie den Auslöser kennen müssen, nicht den Kalender. Wer einen Prozess baut, der einmal im Quartal Daten nachträgt, verfehlt die Vorgabe in beide Richtungen: zu selten bei einem Statuswechsel, zu oft im unveränderten Betrieb.

Das Passfeld Batteriestatus und was es auslöst

Anhang XIII führt ein eigenes Feld für den Status der Batterie, mit fünf möglichen Angaben: unverändert, umgenutzt, wiederverwendet, wiederaufgearbeitet oder Altbatterie. Dieses Feld ist der Schalter, an dem die Aktualisierungspflicht hängt.

Wichtig ist die rechtliche Folge dahinter: Batterien, die zur Wiederverwendung oder Umnutzung vorbereitet, umgenutzt oder wiederaufgearbeitet wurden, gelten als neu in Verkehr gebracht. Wer eine Batterie umnutzt, übernimmt damit die Pflichten eines Herstellers, einschließlich des Passes. Für Betreiber von Zweitleben-Geschäftsmodellen ist das der wichtigste Satz der ganzen Verordnung.

Auf welcher Ebene sitzt der Pass: Zelle, Modul, Pack?

Die Frage stellt sich, sobald Sie ein Rack oder einen Container ausliefern. Die Verordnung knüpft den Pass an die Batterie, die in Verkehr gebracht wird, nicht an ihre Bauteile. Verkaufen Sie ein Pack, ist das Pack die Batterie. Verkaufen Sie einen Container mit mehreren Racks als ein Produkt, ist dieser Container die in Verkehr gebrachte Batterie.

Die Ebenen darunter verschwinden damit nicht: Der Pass führt die Zusammensetzung, und die Zustandsdaten kommen aus dem Batteriemanagementsystem der jeweiligen Einheit. Entscheidend für die Zahl der Pässe ist aber die Verkaufseinheit. Klären Sie das früh, denn danach richtet sich, wie viele Seriennummern und wie viele QR-Codes Sie brauchen.

Häufige Fragen

Ab wann müssen dynamische Batteriedaten erfasst werden?

Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 schreibt den digitalen Batteriepass ab dem 18. Februar 2027 vor. Dynamische Zustandsdaten sind Teil der Pflichtangaben und müssen ab diesem Datum im Pass enthalten und aktualisierbar sein. Details zum Zeitplan finden Sie in unserem Überblick zur EU-Batterieverordnung 2027.

Können BMS-Daten automatisch in den Batteriepass übertragen werden?

Ja, über eine REST API. DPP Hero bietet einen dedizierten Endpunkt (PATCH /api/v1/products/{id}/condition), der partielle Updates akzeptiert. BMS-Systeme, IoT-Gateways oder Wartungssoftware können Zustandsdaten direkt und automatisiert übertragen.

Welche dynamischen Felder sind nach DIN SPEC 99100 Pflicht?

Alle sieben Datenbereiche aus Abschnitt 6.7 sind Pflicht: Ladezustand & Kapazität, Energie & Durchsatz, Leistungsfähigkeit, Effizienz & Selbstentladung, Temperatur-Extremwerte, Innenwiderstand und negative Ereignisse. DPP Hero führt dafür 21 Einzelfelder, jedes mit eigenem Zeitstempel. Andere Quellen zählen anders, weil sie Datenbereiche statt Einzelfelder zählen.

Wie oft müssen die Zustandsdaten aktualisiert werden?

Die EU-Batterieverordnung gibt keine feste Frequenz vor. Die DIN SPEC 99100 fordert jedoch, dass jeder Datenpunkt einen lastUpdate-Zeitstempel trägt. In der Praxis hängt die Update-Frequenz vom Einsatzszenario ab: Bei stationären Speichern reicht ein quartalsweises Update, bei EV-Batterien mit hoher Zyklenzahl kann ein monatliches oder ereignisbasiertes Update sinnvoll sein.

Was passiert, wenn der Batteriepass keine dynamischen Daten enthält?

Ein Batteriepass ohne dynamische Zustandsdaten ist nach DIN SPEC 99100 unvollständig. Bei einer Marktaufsichtsprüfung oder einem Second-Life-Audit fehlt der Nachweis über den aktuellen Gesundheitszustand der Batterie. Die Batteriepass-Checkliste 2027 hilft Ihnen, alle Pflichtbereiche systematisch abzuarbeiten.

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